Wenn man sich mal den Umgangston in Foren, Mailinglisten und bei Kommentaren auf Webseiten anschaut, ist man teilweise ganz schön erstaunt, was Leute so von sich geben.
Als grosser Anhänger der Meinungsfreiheit fällt es mir schwer, Äusserungen anderer im Internet abzuwerten. Es hat halt jeder das Recht ziemlich alles zu schreiben, egal wie abwegig es scheinbar ist. Aber irgendwo gibt es auch Grenzen, wie im wirklichen Leben.
Man stelle sich folgende Situation vor:
Du bist auf einer Party eingeladen und kennst dort nur wenige andere Gäste. Du klingelst an der Tür und wirst vom Gastgeber herein gelassen, begrüsst diesen und bedankst Dich für die Einladung. Dann fragst Du kurz, ob Du Dir die Schuhe ausziehen sollst, zum Rauchen auf die Terrasse musst oder ob es sonst etwas zu beachten gibt. Danach begrüsst Du Deine Bekannten und stellt Dich bei den unbekannten Gästen kurz vor. Nach einiger Zeit stellt der Gastgeber den Anwesenden seine neue Freundin vor und verkündet, dass er im Urlaub ein paar Bilder gemacht hat, die er jetzt mit dem Diaprojektor vorführen möchte. Bei der Freundin Deines Gastgebers bist Du Dir sicher, dass Du diese schon mal beim Arbeiten auf der Reeperbahn gesehen hast und unsympathisch ist sie noch dazu. Der Dia-Vortrag ist unglaublich langweilig und die anderen Gäste findest Du auch irgendwie doof. Als der Gastgeber äussert, dass er im Urlaub gelernt hat, dass alle Deutschen voll toll sind und die ganzen Ausländer im Urlaubsland faul sind und man auch nirgends eine Bild-Zeitung kaufen konnte, entscheidest Du Dich, dass der Abend nicht mehr zu retten ist. Du verabschiedest Dich beim Gastgeber und den Gästen und gehst.
Du hast alles richtig gemacht: Als Gast hast Du nach den Regeln gefragt und diese beachtet. Als Du gemerkt hast, dass die Leute, die vorherrschende Meinung und das Programm nicht akzeptabel sind, hast Du erkannt, dass Du zwar in einem Land mit Meinungsfreiheit lebst, aber Du diese Meinung nicht jedem aufdrängen musst.
Was im “real life” relativ gut funktioniert, scheint im Internet teilweise nicht so einfach zu sein. Wenn man ausserhalb seiner eigenen Webseite, Mailingliste oder Forum schreibt, sollte man als erstes beachten, dass andere Leute diesen Service zur Verfügung stellen und dafür bezahlen. Wenn einem das Programm oder die Leute nicht zusagen, kann man einfach gehen und die Tür leise hinter sich schliessen.
Bei Webangeboten, bei denen man ausdrücklich eingeladen ist, zu diskutieren und seine Meinung zu sagen, ist es nicht mehr wichtig, ob man mit seiner Meinung alleine da steht. Es bleiben aber einige Regeln des Miteinanders über und es kommen neue hinzu.
Eine Prüfung, um zu verhindern, dass man etwas sehr Dummes schreibt, könnte sein, sich zu fragen: Würde ich an einem Tisch mit 20 Personen aufstehen, um diesen Punkt vorzutragen? Trägt meine Meinungsäusserung zur Diskussion bei und kann diese etwas bewirken? Ist sie nicht nur eine Zeitverschwendung für alle diejenigen, die alle Einträge lesen müssen, um sich optimal inhaltlich vorbereitet an der jeweiligen Diskussion beteiligen zu können?
Hat man sich auf demselben Niveau mit dem Thema der Diskussion beschäftigt wie die anderen Teilnehmer oder beruft man sich nur auf Hörensagen oder RTL-Dokumentationen, während sich die anderen ernsthaft mit dem Thema auseinander gesetzt haben?
Wenn man die Motivation oder Beweggründe anderer angreift, sollte man kurz darüber nachdenken, ob man sich durch eigene Arbeit für eine Sache das Recht für diese Kritik erworben hat oder durch fundierte Kenntnisse oder Erfahrungen für eine solche Äusserung qualifiziert hat.
Manche Meinungsäusserungen sind wie eine leere Mac-Donalds-Verpackung in einer Autobahnabfahrt – eine völlig unnötige Umweltverschmutzung!
Gerade um die Menschen zu ehren, die sich im Internet und im wirklichen Leben mit viel Engagement beteiligen, sollte jeder überlegen, ob er im Zweifel nicht das tut, was ich jetzt mache: Das Maul halten!
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Zustimmung!
Doch Sie verkennen, dass jeder unflätige Pups für die Beitreiber der Webseiten Content ist. Und dieser Content (bzw. die Möglichkeit seine virtuellen Pupse zu lassen) führt dazu, dass so manche Online-Zeitung erst gelesen wird. D.h.: Visits und Page-Impressions werden planmäßig generiert, um den Werbetreibenden zu imponieren. Am billigsten geht das mit “user generated content”. Der kostet nichts und ist unterhaltsam.
Es ist wie beim Privatfernsehen: Man schraubt das Niveau herunter, um Leser zu keilen, um Werbeeinnahmen zu generieren. Solange die Werbetreibenden nichts dagegen haben, im Umfeld von Kraut&Rüben zu werben, solange die Leser nicht bereit sind, für saubere Qualität auch zu bezahlen, solange wird sich der Pöpel im Netz breit machen dürfen, ja müssen, damit das kostenlose Webangebot noch bereit gestellt werden kann.