Im ewigen Streben nach Informationen war heute wieder mal der DVD-Player gefragt. Auf der Scheibe stand das Wort “Sicko” – ein Film von Michael Moore. Jetzt ist dieser Filmemacher nicht als völlig objektive Person bekannt, er steht im Regelfall auf der Seite der kleinen Leute, aber das, was er mit der Kamera aufnimmt, scheint zu stimmen.
Der Film beschreibt die Probleme des Gesundheitssystems der USA. Eine Aussage im Film ist zum Beispiel, dass dort pro Jahr etwa 18000 Menschen sterben, weil sie keine Krankenversicherung haben. Die Lebenserwartung ist niedriger und die Kindersterblichkeit erheblich höher als in vielen anderen Ländern. Der Film erzählt das Schicksal vieler Menschen in den Staaten und vergleicht das mit Geschichten aus Kanada, Großbritannien, Frankreich und Kuba. Dabei wird ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt (bei mir erfolgreich!).
Warum in einem der reichsten Länder der Welt eine so grundlegende Sache wie Gesundheitsversorgung des Volkes nicht funktioniert, wird recht eindrucksvoll dargestellt. Es ist recht einfach: Die Krankenversicherungen sind private Unternehmen. Diese geben eine Menge “Spenden” an Politiker. Politiker machen oder verhindern dementsprechend Gesetze. Und jetzt ratet mal, wie unabhängig die Medien in den USA sind, die das Ganze entlarven könnten?
Wenn man sich mit diesem Land länger beschäftigt, kann der Eindruck entstehen, dass sich seit der Sklaverei im Süden der USA zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht so viel getan hat. Es gibt sehr viele Menschen, die gerade so überleben (und manchmal nicht mal das, siehe die 18.000) und sehr wenige, die unglaubliche Summen Geld verdienen. Der Unterschied ist, dass die Amerikaner glauben in der besten Demokratie zu leben – “… in the land of the free and the home of the brave …”. So überzeugt, dass der 18 jährige aus seiner Wohnwagensiedlung seine Uniform anzieht, um im Irak beim Versuch zu sterben, den Leuten seine Demokratie zu bringen, wissend, dass seine Mutter zuhause kein Recht auf Gesundheit hat.
Wer hier ab und zu liest oder mich kennt, wird wissen, dass ich gerne auf den USA rumreite. Ich halte dieses Land für ein gutes Beispiel, was bei uns passieren kann und warum es wichtig ist, dafür zu sorgen, dass Politik und Wirtschaft gewisse Grenzen nicht überschreiten. Noch 10 Jahre unserer Bildungspolitik, noch zwei Legislaturperioden mit unserem Innenminister und noch ein wenig Rezession und Terrorgefahr hier und da und wir werden auf dem richtigen Weg sein. Richtig nicht für uns, aber sehr richtig für die Wirtschaft und einige sehr reiche Leute.
Immer wenn ich über Zustände in diesem Land klage, werde ich auch daran erinnert, wie glücklich ich sein kann, hier zu leben. Ich klage auf einem sehr hohen Niveau, das ist mir klar. Lasst uns nicht aufgeben, jede kleine Entwicklung in Richtung weniger Demokratie und weniger Rechte für die kleinen und schwachen zu bekämpfen!
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